Um 15 v. Chr. verlor das keltische Königreich Noricum durch die Expansion des Römischen Reiches seine Selbstständigkeit. Es gab eine Machtübernahme ohne Eroberungskämpfe und nach der Besetzung des Landes gründeten die Römer neue Siedlungen. Die Bevölkerung setzte sich aus Veteranen der römischen Armee, Zuwanderern aus dem römischen Reich, sowie aus einheimischen Kelten zusammen. Parallel dazu begann hier am Chiemsee die Erschließung der Region durch den Bau von Villen und Gutshöfen. Diese dienten auch zur Versorgung der Bevölkerung und später auch des hier zum Beispiel in Bedaium a. Ch. (Seebruck) und Ad Enum am Inn (Rosenheim) stationierten Militärs.      

Sicher muss die römische Kultur einen großen Eindruck auf die einheimische Bevölkerung gemacht haben. Nie gekannter Luxus wurde plötzlich greifbar. Die römische Badekultur mit Thermen und Gebäude aus Stein ließen die eigene Tradition verblassen und schrecklich einfach erscheinen. Neue Handwerkstechniken, aber auch der Handel mit den Römern und deren umfassende Organisation und Verwaltung bedeutete z.B. das Ende von Hungersnot. Der Bau eines Straßennetztes ermöglichte einen schnelleren Transport und Austausch der produzieren Waren und römischer Luxusgüter zwischen Noricum und dem römischen Reich. Für den Handel war auch vorteilhaft, dass eine einheitliche Geldwährung der Römer eingeführt wurde. Die Aussicht, an dieser Kultur teilzuhaben und später das römischer Bürgerrecht zu erhalten, veranlaßte viele junge Männer als Hilfssoldaten in sogenannten Auxiliareinheiten zu dienen.

Am Chiemsee entstand am Austritt der Alz aus dem Chiemsee ein Brückenübergang mit der Siedlung Bedaium und diese lag an der römischen Ost-West-Fernstraße zwischen Iuvavum (Salzburg) und Augusta Vindelicorum (Augsburg). Nachdem für diese Straße kein Name bekannt war wurde sie in neuerer Zeit als Via Julia bezeichnet. Diese größte Siedlung am Chiemsee erhielt ihren Namen von der regionalen keltischen Gottheit Bedaius, der hier in einem großen Tempel von den ansässigen Kelten und den Römern verehrt wurde. Der Ort entwickelte sich von einer Straßenstation zu einer bedeutenden Gemeinde (civitas), in dem Handel und Gewerbe blühte.

Ab 230 n. Chr. gab es wiederholt Raubzüge durch Germanen (Alamannen), die auch bis nach Bedaium kamen. Dabei wurde auch der Tempel zerstört. Deshalb wurde eine militärische Einheit (Legionäre der LEGIO II ITALICA aus Lauriacum, dem heutigen Enns in Oberösterreich) nach Bedaium als Schutzeinheit verlegt und man errichtete in der Nähe der Brücke über die Alz, auf den Ruinen des Tempels, eine kleine Befestigung (Burgus oder Kleinkastell). Ein Teil der Legionäre versah hier als Beneficariereinheit ihren Dienst, eine Art Straßenpolizei, die für die Sicherheit des römischen Fernstraßennetzes verantwortlich war. Diese meist extra für einige Monate abkommandierten Legionssoldaten überwachten wichtige Kreuzungen, Flussübergänge, Passstraßen und Provinzgrenzen. Sie gingen auch gegen Straßenräuber und Wegelagerer vor, unterstützten aber andererseits die von der Bevölkerung verhassten Steuer- und Zolleintreiber. 310 n. Chr. gab es ein Gefecht gegen eingedrungene Germanen bei Prutting, das für die Legionäre siegreich endete. 

Bis auf eine kurze Besatzungszeit zwischen 401 und 406 durch Vandalen und Alanen verblieb Noricum unter der Herrschaft der Römer. Nach der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus 476 durch Odoaker, einem röm. Heerführer und späteren König von Italien (rex italiae) erfolgte durch diesen im Jahr 488 die Zwangsevakuierung der romanischen Bevölkerung und des Militärs nach Italien. Danach ließen sich germanische Zuwanderer im Voralpenland nieder. Ab der Mitte des 6. Jahrhunderts ist eine systematische Besiedelung durch den Stamm der Bajuwaren feststellbar.

Dass die Römer sich auch im Gemeindegebiet von Rimsting aufgehalten haben, zeigen Funde aus der neueren Zeit. Ein riesiger Schatz an römischen Silbermünzen wurde in der Nähe vom Kalkgruber Berg an einem Hang gefunden. 600 - 1000 Münzen waren in einem Umkreis von 300 Meter von den Römern dort offensichtlich vergraben worden. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt, weil der Erstfinder zunächst alles verschwiegen hat und die Münzen verkaufte. Es waren Münzen aus der Zeit von Kaiser Nero bis zu Kaiser Marcus Aurelius, also aus der Zeitspanne von 54 - 180 n. Chr. Vielleicht sind die Münzen wegen der Einfälle der Markomannen dort versteckt worden. Von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege wurden bei einer Nachsuche weitere 60 Münzen dieser Kaiser entdeckt. Es sind auch Silbermünzen dabei, die den römischen Kaiser Trajan zeigen, der von 98 bis 117 n. Chr. regierte.

Die Gemeinde Rimsting konnte einige Münzen käuflich erwerben.

  röm.DenarTrajanvorn   röm.DenarTrajanhint

Silbermünze (Denar) von Kaiser Trajan (Avers und Revers - Vorder- und Rückseite)

Nachdem bereits auf dem Gemeindegebiet weitere Silbermünzen (Denare) und im Ortsteil Gänsbach eine römische Fibel (damaliger Gebrauchs- und Schmuckgegenstand) gefunden wurden, bestätigten sich 1996 die Vermutungen, dass sich im östlichen Bereich der Gemeinde Rimsting ein römischer Gutshof befunden haben muss. So stieß man bei den professionellen Probegrabungen unter der Aufsicht einer Archäologin auf römische Urnengräber. Das Gräberfeld wurde vorher ebenfalls von einem Sondengänger (ehrenamtlicher Mitarbeiter Landesamt für Denkmalspflege) entdeckt und an das Landesamt gemeldet. Hier wurde unter Anderem eine Fibel vom Typ Almgren 68 (einteilige, profilierte Fibel mit Sehnenhaken) gefunden. Dieser Fibeltyp datiert ebenfalls ziemlich genau in das 1. Jahrhundert n. Chr. (40er bis 70er Jahre n. Chr.) von Kaiser Claudius bis Kaiser Nero. Der Typ Almgren 68 ist sowohl in den römischen Militärlagern zur Sicherung des Alpenvorlandes, in Limeslagern und auch in Ostdeutschland (Schlesien, Posen, Westpreussen) gefunden worden. Einzelstücke streuten bis in das nördliche Dänemark und nach Gotland.

Vitrine mit Römerfunden           FibelTypAlmgren68      

 

Bild der Exponat-Ausstellungsvitrine im Rathaus Rimsting und das Foto einer Almgren-Fibel (Replik nach Originalfund).
Alle hier abgebildeten Fotos wurden von der Gemeindeverwaltung Rimsting erstellt.

Bei den vier Suchschnitten im Erdreich wurden Kupfer- und Bronzemünzen, eine Beilklinge und weitere Gewandnadeln (Fibeln) gefunden. Neben einer großen Anzahl von Tonscherben sind auch Scherben von hochwertiger Keramik (Terra Sigillata) ausgegraben worden. Terra Sigillata wird das elegante, glänzendrote Eßgeschirr genannt, das über 500 Jahre im römischen Imperium in verschiedenen Töpfereien in Italien und den Provinzen hergestellt wurde. Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. wurde der Bedarf Raetiens und Noricums durch Importe aus Gallien und Germanien gedeckt. Bei Rosenheim am Inn wurden 170 n. Chr. in Westerndorf St. Peter und um 190 n. Chr. in Pfaffenhofen Töpfereien gegründet, die ihre Ware bis nach Ungarn und darüberhinaus lieferten.

Terra Sigillata wurde ursprünglich als Nachahmung kostbarer Metallgefäße durch Massenproduktion für weite Bevölkerungskreise erschwinglich. So gab es Service aus großen Platten und Schüsseln, sowie Teller, Becher und Näpfe. Diese wurden reliefverziert mit Tier- und Blattformen. Becher mit Kerbschnittdekor imitierten sogar den Glasschliff.

Aus den verkohlten Knochensplittern und Beigaben konnten eindeutig Leichen-Brandgräber aus der Römerzeit festgestellt werden. Die Leichen wurden damals auf Scheiterhaufen verbrannt und die gefundenen Reste der Toten in Urnen bestattet.

Siehe "Bestattungsriten bei den Römern" 

Von der leitenden Archäologin vermutet man in diesem Bereich (archäologisches Sperrgebiet) noch mehrere römische Gräber. Nur werden anhand der bereits geborgenen Fundstücke keine wertvollen Objekte mehr im Boden erwartet. Üblicherweise befanden sich die Urnengräber in ungefähr 300 Meter Entfernung zu einem römischen Gutshof, einer Villa Rustica. Nachdem man bisher nur die Gräber, aber noch nicht die dazugehörige Villa entdeckt hat, geht man davon aus, dass diese auf einem Geländevorsprung oberhalb des Gräberfeldes lag und in späterer Zeit überbaut worden ist. Die aus diesen Gräbern geborgenen Gegenstände und einige Münzen aus dem großen Münzschatz können im Rathaus Rimsting, Zimmer Nr. 2, in einer Vitrine besichtigt werden. 

Der von der Gemeinde Rimsting an der Bahnlinie München-Salzburg errichtete Wanderweg, eine Verbindung zwischen Seestraße und Westernacherstraße, wurde auf Grund der Funde "Römerweg" genannt. Hier findet man auch einen Teil der unter dem Motto: "Kunst im Dialog" gefertigten Holzskulpturen aus dem Jahr 2001. Diese Skulpturen sind Wind und Wetter ausgesetzt und werden langsam im Laufe der kommenden Jahre als vergängliche Kunst verschwinden.

 

Klaus Peter Horack/Tourist-Info Rimsting

 

 

Bestattungsriten bei den Römern

(Ein kurzer Überblick)

 Die Lebenserwartung war in römischer Zeit relativ gering. Auch die Kindersterblichkeit war sehr hoch. So wurde eine römische Familie regelmässig mit dem Tod von Familienangehörigen konfrontiert. Meistens erfolgte der Tod im Kreise der Angehörigen, falls nicht der Tod auf dem Schlachtfeld, bei einer Reise oder am Arbeitsplatz erfolgte.

Die rituellen Handlungen bei Eintritt des Todes waren bei allen Bestattungsarten gleich und es gab eine einheitliche Bestattungssitte. Brandbestattungen waren genau so geläufig wie eine Körperbestattung.

Vor dem unmittelbar bevorstehenden Tod versammelten sich die Verwandten und Freunde am Bett des Sterbenden/der Sterbenden, um sich zu verabschieden und zu trösten. So wurde der letzte Hauch des/der Sterbenden durch einen nahestehenden Verwandten aufgefangen. Dem/der Toten wurden durch die selbe Person auch die Augen geschlossen und der eingetretene Tod festgestellt, indem man ihn/sie mehrmals bei seinem/ihrem Namen rief (conclamatio). (Neben der Trauer um die geliebte Person ging auch die Totenfurcht umher, weil eine Vorstellung von einem Weiterleben nach dem Tode vermutet wurde.) Der/die Verblichene wurde auf den Boden gelegt, gewaschen, gesalbt und bekleidet. War er von Stand wurde er in seine Toga gehüllt. Frauen wurden mit ihrem besten Gewand bekleidet. Oft wurde eine Münze als Fährlohn für die Überfahrt ins Totenreich unter die Zunge gelegt. Danach kam der/die Tote auf das Totenbett. Dies und weitere Zeremonien konnten mehrere Tage dauern. Mitglieder der unteren Klasse konnten aber noch am Todestag verbrannt oder beerdigt werden.

Bei der besseren Gesellschaft erfolgte dann ein Trauerzug durch die Stadt zu den außerhalb gelegenen Familiengrabstätten. Der/die Tote wurde von seinen/ihren Verwandten oder anlässlich seines/ihres Todes von freigelassenen Sklaven getragen. Der Trauerzug konnte von Musikanten und professionellen Klageweibern begleitet werden. Wachsmasken der Ahnen wurden ebenfalls im Zug mitgeführt.

Die eigentlichen Bestattungsriten begannen am Verbrennungsplatz oder an der Stelle der Körperbestattung. Bei der Körperbestattung wurde vor der Beerdigung auf die Leiche etwas Erde geworfen, bevor sie in das vorgesehene Grab in einem einfachen Holzsarg oder eingewickelt in Tücher gelegt wurde. Es wurden auch einfache, sargähnliche Grablegen erstellt unter der Verwendung von z.B. großen tönernen Dachziegeln. Bei den Brandbestattungen gab es weitere Vorschriften, die zu beachten waren.

Vor der Verbrennung des/der Toten wurde ein Stück vom Finger abgeschnitten, das man nach priesterlichen Weisungen in der Erde vergrub, um den Verbrennungsort zu heiligen. Dann wurde der/die Tote mit seiner/ihrer Bahre auf einen blumengeschmückten Scheiterhaufen gelegt und ein letztes Mal beim Namen gerufen. 

Liebgewonnene Gegenstände und Geschenke wurden im Grab oder auf dem Scheiterhaufen deponiert, die laut Testament mit verbrannt werden sollten. Bei den Frauen war dies meist Schmuck wie z.B. Fibeln, Ringe, Armreifen und Halsketten. Hinzu kamen persönliche Geschenke der Angehörigen, Blumen, zum Zeichen der Trauer Haarlocken oder eine Wegzehrung für den Weg in die Unterwelt. Tragisch war der Tod von Kindern. Hier findet man meistens Spielzeug.

Die Zeremonie war auch begleitet von Weihrauchopfern und man warf auch Gewürze und Kräuter ins Feuer um den strengen Verbrennungsgeruch zu überdecken. War bei der Brandbestattung der Scheiterhaufen heruntergebrannt, wurde die Glut mit Wasser und auch Wein gelöscht. Die verbrannten Überreste, der Leichenbrand, wurden von den nächsten Verwandten aufgelesen und in einem Gefäß (Urne) deponiert. Die endgültige Beisetzung erfolgt erst Tage später. Der Leichenbrand bei reichen Römern wurde mit wertvollen Essenzen übergossen. Die dabei verwendeten Gefäße (Balsamare) folgten in das Grab.

Gefäße für Speis und Trank gehörten auch zur Ausstattung eines Grabes. Üblich war auch die Mitgabe einer Tonlampe. Zu den vorgeschriebenen Riten gehörte auch die Opferung eines Schweines, erst dann war das Grab gesetzlich zu einem solchen geworden. Ein am gleichen Tag abgehaltenes Totenmahl schloss die Zeremonien am Grab ab. 

Zu Hause zurückgekehrt hatten sich die Hinterbliebenen und Teilnehmer an der Beerdigung einer mit Wasser durchgeführten Reinigungszeremonie zu unterziehen, da Personen, die an einer Bestattung teilgenommen hatten, als unrein galten. Sie durften auch nicht vorher mit anderen Menschen verkehren. Auch folgte durch die Hinterbliebenen die Opferung eines Hammels oder Widders an die Laren, die Hausgötter. Auch das Haus selbst wurde einer Reinigungszeremonie unterzogen, die mit einem Totenopfer und einem Trauermahl abgeschlossen wurde. Mit der Hinterlassung von Speise- und Trankopfern am Grab endete die meist mehrere Tage dauernde offizielle Trauerzeit.

Die Gräber befanden sich in der Regel außerhalb der Städte und wurden entlang der Straßen angelegt. Reiche Römer ließen sich nach ihrem Tod ein Grabdenkmal setzen. Die sehr farbig bemalen Monumente waren zwischen 1m und bis zu 20m hoch und mit zahlreichen Bildreliefs geschmückt. Es entstanden richtige Gräberstraßen. Andererseits wurden auf dem Land Angehörige von Villen (Villa Rustica), Bedienstete und Sklaven in Sichtweite der Gebäude beerdigt. Zu Beginn des 5. Jh. nach Chr. war der Brauch der Feuerbestattungen im Römischen Reich erloschen.

768 n. Chr. wurde das Verbrennen des Leichnams von der Kirche als heidnischer Brauch verboten.

Klaus Peter Horack/Tourist-Info Rimsting 

Bestattung in Bleisärgen

Als Besonderheit kann noch die Beerdigung in einem Sarkophag aus Blei gesehen werden, die in der römischen Welt ab dem 2. Jahrhundert nach Chr. verbreitet war und besonders in den großen Städten zur Anwendung gekommen ist. Ursprünglich aus den östlichen Gebieten des römischen Reiches stammend (Syrien) wurden diese Behälter vor allem im 3. und 4. Jahrhundert im Rahmen der Bestattungsriten weiter entwickelt. Sie wurden mit einfachen Dekoren geschmückt (Perlenschnüre) und manchmal auch mit kleinen figurativen Elementen verziert.

 

Bleisarg 

Foto K.P.Horack

Zur Zeit der Römer wurde Blei für unter Druck stehende Wasserleitungen, für Gewichte, Legierungen, manche Urnen und auch für Sarkophage verwendet. Blei ist ein weiches Metall, wenig korrosiv und wieder verwendbar. Ein solches teueres Material für die Bestattung Verstorbener konnten sich nur sehr gut situierte städtische Bewohner leisten. In den großen Städten war die Tätigkeit mit Blei und der Herstellung von Sarkophagen mit Werkstätten verbunden, die Blei verarbeiten konnten bzw. damit handelten (Bleibarren). Bleisärge kamen auch nach den Römern im Mittelalter beim Adel zur Verwendung. 

Klaus Peter Horack/Tourist-Info Rimsting

 

Ein römisches Landgut (Villa Rustica) am Chiemsee 

Römische Landgüter in den germanischen und gallischen Provinzen unterscheiden sich grundsätzlich von den Gebäuden in Italien und sind meistens als Porticusvilla mit zwei Eckgebäuden ausgeführt. Die Front gliedert sich in die Eckgebäude und dem dazwischenliegenden Portikus mit einer zugänglichen offenen Säulenhalle im Innenbereich. Wohngebäude und Arbeitsräume des Hausherrn und seiner Familie grenzen direkt rechts und links an den Säulengang. Porticusvillen sind der bekannteste Bautyp, der oft bei mittelgroßen Villenbauten anzutreffen ist. Das Bild unten zeigt eine Villa Rustica (Zeichnung von Klaus P. Horack):VillaRusticaZeichngScanX K.H.2020

Wenn es sich um eine Neuanlage handelt, wird der Standort sehr sorgfältig ausgewählt. Der Boden soll sehr fruchtbar sein und die Nähe zu einer Quelle oder einem sauberen Bachlauf ist nötig. Das Gelände soll leicht abfallen, damit es trockene und feuchtere Lagen gibt in unmittelbarer Umgebung des Hofes. Fachberater, die sogenannten Seher, werden herangezogen vor dem Bau der Anlage. Diese prüfen den Boden, das Wasser und vor der Grundsteinlegung den Vogelflug, ob es negative Einflüsse der Gegend auf die Landwirtschaft gibt. 

Das Gelände einer Villa kann mit Hecken, Mauern und sogar Gräben umfriedet sein. Diese findet man öfters in den Randgebieten des Reiches und man bezeichnet diese auch als Wehrgehöfte. Bei den meisten Ausgrabungen wurden jedoch keine Hofumwehrungen ausgemacht.

Eine Umfriedung schließt den Villenbereich neben Wirtschaftsgebäuden ein. Innerhalb dieses Areals befinden sich neben weiteren Wohngebäuden und Stallungen auch ein Brunnen, ein Dreschplatz, eine Schmiede, ein Bereich zum Mahlen und falls nötig eine Darre zum Trocknen von Getreide, sowie ein Zier- und Kräutergarten. Der Kräutergarten ist ebenso bestückt wie heutzutage - stammen die meisten Kräuter doch aus dem Mittelmeergebiet. Je nach Größe gibt es auch eine Teichanlage. Obstgärten werden auch zur Zierde angelegt, nicht unbedingt zur Selbstversorgung mit Obst.

Was in unserem Klima keine Erträge bringt wird herangeschafft. Kein Römer will zum Beispiel auf Oliven,  Olivenöl, Wein, Gewürze (z.B. Pfeffer) oder Garum verzichten. Das Garum ist das Standardgewürz in der antiken Küche. Es entstand dadurch, dass man nicht ausgenommene Meeresfische in eine Salzlake einlegte und in speziellen offenen Becken monatelang der Sonne aussetzte. Das fertige Gemisch wird ausgepresst und so lange gefiltert, bis eine bernsteinartige Flüssigkeit entsteht. Diese Würzsoße, (Fischsoße) wurde für salzige, aber auch für süße Speisen verwendet. 

Die Bestattungsplätze (siehe vorhergehenden Artikel) liegen üblicherweise außerhalb des Areals.

Größere Villen verfügen meistens über beheizbare Baderäume oder einem Badehaus. Einige Räume in den Villen weisen eine Fußbodenheizung mit gefliestem Fußboden und sogar einen Kellerraum auf. Manchmal befindet sich auf dem Villengelände auch ein kleiner Tempel. Sehr luxuriös ausgestattete Gebäude mit Mosaikfußboden und aufwändigen Wandmalereien werden meistens von der römischen Oberschicht errichtet. Spezielle Handwerker, die diesen Beruf ausüben, werden mit dieser Arbeit beauftragt.

Der Besitzer (Hausherr) einer Villa ist oft ein aus dem Militärdienst ausgeschiedener Veteran, der innerhalb der provinzialen Infrastruktur mit seinem Landgut meistens Versorgungsaufgaben für nahegelegene Städte oder militärische Standorte übernimmt, indem er den erwirtschafteten Überschuss auf dem Markt verkauft oder an das Militär liefert. Neben dem Hausherrn leben hier noch seine Familie, Arbeiter und Sklaven. Die administrative Arbeit übernimmt der Hausherr persönlich oder überträgt dies einem Verwalter, meist einem Sklaven seines Vertrauens. Die meisten Hausherren bleiben, wenn es sich um eine größere Anlage handelt, ihrem Anwesen fern und es ist nicht unüblich, das Villenareal in mehrere Parzellen aufzuteilen und diese an freie Bauern zu verpachten.

Je nach Region, der Bodenbeschaffenheit und der wirtschaftlichen Ausrichtung werden in den Provinzen andere landwirtschaftliche Produkte angebaut als im milderen Mittelmeerklima der Apenninhalbinsel. Durch die bedeutend strengeren Wintermonate nördlich der Alpen wird zum Beispiel statt Weizen vermehrt Gerste, Dinkel oder Roggen geerntet. Beim Gemüse gibt es Unterscheidungen zur heutigen Zeit. So gibt es keine Tomaten, Kartoffeln, Paprika. Mais oder grüne Bohnen. Man kultiviert aber die einheimischen, mediterranen und asiatischen Pflanzen wie die mitgebrachten Zwiebeln, Knoblauch, Porree und Spargel. Hülsenfrüchte wie Erbsen und dicke Bohnen sind wichtig für die Eiweißversorgung. Als Zug- und Transporttiere werden Ochsen, Esel und Mulis gehalten. Das bei den Römern beliebte Fleisch liefern Schweine, Schafe und Ziegen. Letztere dienen auch zur Käseproduktion, da Milch kaum getrunken wird. Dazu kommt das Federvieh, das einen Gutshof bevölkert. Neben eingedickten Obstsaft aus Äpfeln und Birnen war noch der Honig als Süßmacher wichtig. Aber nicht jeder Hof betreibt aktive Imkerei, da dies ein Fachgebiet für Spezialisten ist.  

Hier am Chiemsee sind mehrere Villenstandorte wie z.B. in Bernau, Breitbrunn oder Prien durch frühere archäologische Ausgrabungen bekannt. Durch ein entdecktes Brandgräberfeld in Rimsting stand sicher auch hier eine Villa Rustica. Leider ist der genaue Standort bis heute nicht lokalisiert. Allein im heutigen Deutschland sind durch archäologische Untersuchungen mehrere tausend Anlagen entdeckt worden. Die Größe variiert dabei zwischen den einfachen Villen bis hin zu großen Gutshöfen.  

Klaus Peter Horack/Tourist-Info Rimsting

 

 

Zusatzinformation